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Die Tücken einer interkulturellen Preproduction

Seit dem Crowdfunding vor vier Monaten haben wir die Vorbereitungen für unseren Dreh intensiv vorangetrieben. Höchste Zeit also euch ein Update zu geben, wo wir stehen. Was ist bisher passiert? Und wo liegen die Herausforderungen, wenn man als Schweizer in Kirgistan dreht?

Nachdem wir dank dem erfolgreichen Crowdfunding grünes Licht für die Produktion hatten, brannte Maria darauf, endlich an der Detailarbeit zu feilen. Sie hatte Kirgistan bereits für eine intensive Recherche, für das Locationscouting und für die Darstellersuche besucht. Zurück kam sie mit unheimlich vielen Inputs und Präzisierungswünschen. Auch das Script hat an Einflüssen von den Erlebnissen in Kirgistan dazugewonnen.

Unser Anspruch ist klar: Wir wollen, dass die Geschichte authentisch ist, auch wenn sie fiktiv ist. ABER: Es gibt sie nicht, die eine allgemein gültige Tradition des kirgisischen Brautraubs. Auch die Kirgisen kennen den ‚Kantönligeist’. Jede Region folgt ihren eigenen Regeln und Adaptionen der Bräuche. Manchmal gibt es auch nur familieninterne Traditionen, die anderorts wieder auf andere Weise umgesetzt werden. Wir wollen nicht nur einen Brautraub dokumentieren, sondern auch einen packenden Film machen. Maria zog sich zurück und arbeitete lange daran, die korrekte Darstellung der Traditionen mit den dramaturgischen Regeln eines Filmes zusammen zu bringen. «Ich muss mich bei meinem privaten Umfeld bedanken, das immer verstanden hat, dass ich mein Sozialleben gegen das Schreiben in meinem stillen Kämmerlein eingetauscht habe», sagt sie.

Ohne die Unterstützung von so vielen Seiten wäre es nicht möglich gewesen, dass wir nun nahezu drehbereit sind. Das Drehbuch ist fertig und übersetzt. Die Locations waren es eigentlich auch. BIS… wir eine andere kirgisische Tradition kennenlernen durften bzw. mussten. Ein Mitglied der Familie, deren Haus wir als Drehort hätten brauchen dürfen, ist leider gestorben. Das ist allerdings schon vor einem Jahr passiert. Jährt sich der erste Todestag, kommen nach kirgisischer Tradition alle Verwandten von überall her angereist, um den Verstorbenen zu würdigen. Dieser Tag ist ausgerechnet in unsere Drehzeit gefallen und für uns hiess das: Alternative suchen mit unserer Crew vor Ort. Locationscouting im 6’000km entfernten Kirgistan mit schlechter bis keiner Internetverbindung.

Locationscouting

 

Auch für unsere Schweizer Produzentin Nadine gilt es Alternativen suchen. Und zwar beim Equipment. Kirgistan kennt nur einen grösseren Verleiher von Filmequipment. Nur, genau dann, wann wir drehen, braucht dieser sein Material für ein eigenes Projekt. Wo und wie kommen wir also noch an technisches Equipment? Extrakoffer auf dem Flieger sind teuer. Und wir haben sie bereits ausgereizt.

In all diesen Situationen sind unsere Serviceproduzentinnen vor Ort unabdingbar. Allen voran Nadine Boller. Sie ist Schweizerin, Filmschaffende und lebt seit knapp vier Jahren in Bischkek. Sie kennt also beide Länder und kann uns als Übersetzerin helfen. Nicht nur sprachlich, auch kulturell. Zusammen mit Choloponai setzt sie um, was wir von hier aus in Auftrag geben. Sie sind für uns ein Dreamteam. Maria beschreibt Cholponai als «tough» und Nadine als «Glücksfall». Zusammen rocken sie jegliche Hürden, die uns bisher in der Preproduction begegnet sind.

Auch während den Dreharbeiten werden garantiert Situationen auftreten, die wir nicht vorhersehen konnten und die Kreativität verlangen werden. Mit diesen zwei Frauen an Bord sind wir dafür aber gewappnet!

Denn diese Fragen – und viele mehr, die wir uns noch gar nicht vorstellen können – beschäftigen uns zurzeit. Wir werden sie euch spätestens nach dem Dreh beantworten können:

  • Wie stabil ist das Stromnetz? Dreharbeiten brauchen immer viel Licht. Das heisst, viel Strom. Wie stabil ist gerade in den ländlichen Gebieten die Stromzufuhr?
  • Wie gut können wir in abgelegenen Gebieten auf Notsituationen reagieren? Wie können wir technische Probleme und sonstige Probleme beheben, wenn wir 4 Stunden von der nächsten Stadt entfernt sind; in einem Haus, das kein fliessendes Wasser kennt?
  • Wie arbeiten Kirgisen? Unsere Schauspieler, Ausstatter, Maske, Kostüm… sind Locals, die es gewohnt sind nach kirgisischen Gepflogenheiten zu arbeiten. Was heisst das? Wie unterscheidet sich das von unseren Gewohnheiten? Hat dies einen Effekt auf den Drehplan?
  • Wie viel Zeit verlieren wir mit den Übersetzungen? Nur zwei unserer Schauspielerinnen können Englisch. Werden wir uns genügend verständigen können, um relativ zügig voranschreiten zu können?

 

 

Ihr merkt, wir stehen vor Herausforderungen, die uns ein Dreh in Europa so nicht stellen würde. Das ist fordernd, manchmal anstrengend, aber im Endeffekt super spannend.

Zugegeben, wir sind alle langsam auch es bitzeli nervös. Ein solches Abenteuer geht man nicht alle Tage an! Wir halten euch über unsere kirgisischen Erlebnisse auf dem Laufenden.

көрүшкөнчө!

(Bis bald!)

 

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