Dec
Pre-Production

Wie funktioniert eigentlich Locationscouting in Kirgistan?

 

Morgens um 9 Uhr war Abfahrt. Alle waren pünktlich: Kanat, Nadine, Cholponai, Cosima und ich (gut, ich war ein bisschen zu spät). Kanat ist Cholponais Mann. Schauspieler, Stuntman und jetzt der Fahrer unseres gemieteten Autos. Ich war gespannt, wie das wird, wenn fünf Menschen, die sich kaum kennen und keine gemeinsame Sprache sprechen, tagelang zusammen in einem Auto unterwegs sind und Locations anschauen. Es hätte nicht schöner sein können! Wir hatten grossen Spass und auf keinem anderen Weg hätten wir Land und Leute so intensiv kennen lernen können als auf dieser Tour.

Unsere mehrtägige Tour ging von Bischkek über Kant nach Kemin, dann weiter Richtung Kotschkor und über eine Berg- Talfahrt zurück nach Bischkek.

Wir fuhren in kleine Dörfer und zu abgelegenen Häusern, um die von Cholponai und Kanat vorgeschlagenen Locations zu besichtigen. Sobald ein Haus in Frage kam, stieg Cholponai aus, klopfte – besser gesagt polterte, an das Tor und rief laut “grosse Schwester/grosser Bruder”. Türklingeln hätten geholfen aber die gab es nicht. Immer bedacht, nicht von Hunden gebissen zu werden, rettete sich Cholponai das ein oder andere Mal mit einem Sprung ins Auto vor den kläffenden Vierbeinern, die sich gelegentlich als harmlose Welpen herausstellten. Wenn wir genügend Lärm veranstalteten und ein paar mal mit dem Auto hupten, kam meistens doch noch jemand aus seinem Haus und Cholponai konnte mit den Besitzern sprechen. Auf ihr Zeichen durften auch wir anderen aussteigen und uns in den Häusern fremder Menschen umsehen.

Anfangs war es ein komisches Gefühl, mitten in das Leben fremder Familien zu platzen und in alle ihrer Räume zu schauen aber wir wurden jedes Mal herzlich und voller Neugier empfangen, so dass wir unsere Scheu schnell verloren haben. Vor jeder Eingangstür zieht man seine Schuhe aus und betritt das Haus nur auf Socken. Sehr oft haben wir uns wärmere Temperaturen gewünscht, denn die warmen Wanderstiefel zwanzig mal am Tag an- und auszuziehen ist schon eine mühsame Angelegenheit. Kirgistan bedeutet Gastfreundschaft und so wurden wir meistens zu Tee und Brot eingeladen. Es wäre unhöflich gewesen diese Geste abzulehnen und so sassen wir in unzähligen Häusern und tranken mit fremden Kirgisen Tee. Wir assen Brot, Marmelade, manchmal Fleisch und Äpfel. Wenn wir aus Zeitgründen nicht auf einen Tee bleiben konnten, mussten wir zumindest ein Stück Brot mitnehmen, denn das gehört sich so.

 

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