Dec
Pre-Production

Die Reise beginnt – endlich

Seit zwei Jahren stehe ich in Kontakt mit Nadine Boller und Cholponai Borubaeva aus Kirgistan. Cholponai arbeitet seit 18 Jahren im Filmbereich. Sie ist sehr erfahren, hat bereits bei einigen internationalen Produktionen mitgearbeitet und das merkt man ihr an. Sie organisiert für uns das Locationscouting und ein grosses Casting. Nadine ist eine Schweizer Dokumentarfilmerin und lebt seit 3 Jahren in Kirgistan. Sie spricht Kirgisisch und hilft uns bei der Übersetzung. Die Vorbereitungen für die Reise waren intensiv und während wir von der Schweiz aus planten, organisierten Cholponai und Nadine die Reise vor Ort in Kirgistan.

Die geplante Reise verschob sich mehrere Male, doch endlich war es soweit. Gemeinsam mit meiner Regieassistentin und langjährigen guten Freundin Cosima Frei konnte ich nach Kirgistan reisen, um meine Recherche zu intensivieren, Locations zu scouten und Schauspieler zu casten. Von Berlin aus hat uns Mahabat Sadyrbek einen Termin im Frauenhaus Bischkek organisiert, um mit Betroffenen zu sprechen und von der Leiterin und ihren psychologischen Mitarbeiterinnen zu erfahren, wie man die Frauen am besten unterstützen kann. Ausserdem war ein Besuch bei der Schweizer Botschafterin geplant, um mit ihr zu besprechen, wie wir den Film in Kirgistan nutzen können, um jungen Frauen aufzuzeigen, dass sie für ihre Rechte einstehen können.

Diese Reise ist nur Dank der Unterstützung von Nadine Lüchinger und Flavio Gerber von der Filmgerberei möglich, die mit vollem Einsatz dafür kämpfen, dass dieser Film realisiert werden kann und denen ich an dieser Stelle herzlich danken möchte.

Nach einer zehnstündigen Anreise sind wir um 22.30 Uhr erschöpft aber voller Vorfreude in Bischkek gelandet. Das Taxi brachte uns ins Hotel und hier konnten wir bereits die erste kirgisische Eigenschaft beobachten: Informationen werden überbewertet. Nachdem der Taxifahrer mitten auf der Autobahn rechts rangefahren und ausgestiegen ist, rannte er davon. Wir waren 15 Minuten lang irritiert, bis er wieder zurückkam und die Fahrt kommentarlos weiterging. Was er gemacht hat, bleiben Vermutungen, von der WC-Pause bis zur Zahlung einer Art Maut Gebühr oder Bestechungsgeld, war alles möglich.

Am nächsten Tag hatten wir Zeit uns mit Bischkek und den eisigen Temperaturen vertraut zu machen. Wir bereiteten das Kameramaterial vor und trafen zum ersten Mal Cholponai und Nadine persönlich, nachdem wir zwei Jahre lang nur geskyped haben. Nachdem Cosima und ich uns in Bischkek noch nicht sehr gut zurecht gefunden haben, sassen wir erst einmal im falschen Café, bis wir doch endlich WLAN hatten und damit erfahren haben, dass das Café in das wir hätten gehen müssen, nochmals 20 Minuten entfernt ist. Wir liessen unseren Tee in Pappbecher umschütten und hetzten durch die vereisten Strassen von Bischkek, immer darauf bedacht, weder auf dem Eis am Boden auszurutschen noch unseren Tee zu verschütten. Eine halbe Stunde zu spät kamen wir im richtigen Café an, wo Nadine und Cholponai bereits warteten. Kirgisische Kinder spielen ein Spiel, das „pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk“ heisst. Wie es genau funktioniert, habe ich nicht verstanden aber unsere kirgisisch-deutsche-Hand-und-Fusskommunikation hat zumindest gereicht, dass Cholponai uns charmant verspotten konnte.

Anschliessend konnten wir unsere Reiseroute für die kommenden Tage besprechen und letzte Infos für das Casting klären. Cholponai hatte den kompletten Zeitplan organisiert und ich gebe zu, ich war skeptisch, wie organisiert alles sein wird. Aber ich wurde vom ersten Moment an positiv überrascht, den die kirgisische Organisation lief zuverlässiger als ein Schweizer Uhrwerk.

Meine einsame Zeit hinter dem Schreibtisch war vorbei. Der Anblick, wie konzentriert alle an unserem Projekt arbeiteten, rief mir ins Bewusstsein, dass unser Film nun zu atmen beginnt und jeder einzelne ihm mit seinem Einsatz mehr Leben einhauchte. Wir sind 6’000 km in ein für uns sehr fremdes Land gereist und wussten nicht genau, was uns erwarten würde aber ab diesem Moment war klar, es würde gut kommen.

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