Dez
Pre-Production

Wie kommt man eigentlich auf die Idee einen Film in Kirgistan zu drehen?

Diese Frage wird mir sehr oft gestellt und ich muss zugeben, gelegentlich stelle ich sie mir auch selbst. Besonders dann, wenn ich wieder einmal auf Widerstand stosse, schleicht sich die Frage in meinen Kopf. Dieser Film ist ein absolutes Herzensprojekt.

Begonnen hat alles, nachdem ein sehr guter Freund von mir von einer längeren Reise aus Kirgistan zurückkam und wir zum Raclette Essen abgemacht haben. Er zeigte mir Fotos und berichtete mir irgendwann von der Tradition des Brautraubs. Ich hatte noch nie davon gehört und das Thema traf mich mitten ins Herz. Es packte mich so sehr, dass ich begonnen habe zu recherchieren.

Das Schicksal der kirgisischen Frauen kam mir vor, wie in einem Actionfilm, doch für diese Frauen ist es ihre Realität. Obwohl ich wusste, was für ein Mammutprojekt das werden wird, war klar, da muss man einen Film draus machen! Ich fand immer mehr Kirgisinnen, die bereit waren, mir ihre Erfahrungen und Meinungen über diese, für mich so fragwürdige Tradition mitzuteilen.

Ich recherchierte weiter und nach einiger Zeit begleitete Nadine Lüchinger von der Filmgerberei meine Arbeit als Produzentin. Ich schrieb, las, verwarf, schrieb weiter, löschte, prüfte, fragte, suchte und nach gut einem Jahr waren wir bereit, das Drehbuch für eine Filmförderung einzureichen und bekamen eine Zusage der Zürcher Filmstiftung. Beflügelt von diesem Zuspruch arbeiten wir seither weiter daran, den Film realisieren zu können, denn im Augenblick sind wir erst zu 60% finanziert.

Im Laufe der Zeit begann auch das Team zu wachsen. Die einzelnen Mitglieder stelle ich auf dieser Website gerne vor. Sie alle sind eine grosse Unterstützung und stecken genau so viel Herzblut in das Projekt wie ich.

Ich konnte mich inzwischen persönlich davon überzeugen, wie wichtig es ist, den Brautraub zu thematisiseren. Wenn niemand diese Hürde auf sich nimmt, dann wird sich auch nichts ändern und wir wollen mit dem Film etwas ändern, nämlich die Situation der Frauen in Kirgistan. Wir sind bereit mehr zu investieren, als wir es tun müssten, wenn wir einen Film in der Schweiz drehen würden. Wir sind auch bereit, unsere persönlichen Grenzen zu überwinden, weil uns das Thema am Herzen liegt.

Man könnte auf viele Wege helfen aber wir alle, die hinter diesem Projekt stehen, sind Filmschaffende und Filme sind unser Handwerk und unsere Expertise. Wir bringen diese ein, um den jungen Frauen in Kirgistan aufzuzeigen, dass sie für sich einstehen sollen. Darum hat der Film eine positive Hauptfigur, die ein Vorbild für junge Frauen sein soll. Viele Frauen denken, dass der Brautraub ihnen nicht passieren könnte und wenn es dann doch passiert, wissen sie nicht was sie tun sollen und beugen sich ihrem Schicksal. „We have traditions and they work against us. Women should fight for their rights.“, antwortete mir eine betroffene Frau auf die Frage, welche Botschaft ihrer Meinung nach unser Film jungen Frauen vermitteln sollte. Daran halten wir uns. Der kirgisische Brautraub ist in anderen Ländern weitestgehend unbekannt. Wir wollen darauf aufmerksam machen, denn nur wenn ein Problem gesehen wird, kann es gelöst werden.

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